Spezialeinsatzkräfte: Anforderungen und Anerkennung

Diskutierten über die künftigen Anforderungen der Spezialeinsatzkräfte: Olaf Lindner, Jerome Fuchs, Moderator August Hanning und Bernhard Treibenreif. (Foto: BS/Dombrowsky)

„Die Zukunft ist nicht einfach, das ein oder andere Szenario wird noch kommen, darauf müssen wir uns vorbereiten“, sagt Olaf Lindner, Präsident der Bundespolizeidirektion 11 und früherer Chef der Spezialeinheit GSG 9 der Bundespolizei, und fordert: „Dazu müssen wir uns mehr vernetzen, national und international, auch mit den Nachrichtendiensten und dem Militär bis auf die operativ-taktische Ebene.“ (07.02.2018)

Für die internationale Zusammenarbeit sei der ATLAS-Verbund ein gutes Beispiel. Er besteht aus 38 Spezialeinheiten aus den europäischen Mitgliedsstaaten und assoziierten Staaten (z.B. Schweiz und Norwegen). „Durch gemeinsame Übungen wird ein besonderes Vertrauensverhältnis aufgebaut“, unterstreicht Jerome Fuchs, Kommandeur der GSG 9. Und natürlich erleichtern die dort geknüpften persönlichen Kontakte den späteren Erfahrungsaustausch. Der finde nicht nur zwischen den Kommandeuren statt, sondern auch auf der Arbeitsebene.

Dennoch müsse jede Spezialeinheit zuerst die Aufgaben im eigenen Land bewerkstelligen, betont Bernhard Treibenreif, Direktor der österreichischen Sondereinheit Einsatzkommando Cobra. Für das Einsatzkommando gehören grenzüberschreitende Einsätze zum wöchentlichen Aufgabenspektrum. Allerdings ist dieses auch weiter gefasst, als etwa bei der GSG 9. So gehören etwa Streifendienste in zentralen Ballungsräumen dazu. Überhaupt sei die Zusammenarbeit mit den Streifendiensten „extrem wichtig geworden“, so Treibenreif. Früher hätten diese immer auf die Spezialeinheiten gewartet, das sei heute nicht mehr möglich.

Auch Fuchs weiß: „Wir können nicht immer rechtzeitig vor Ort sein.“ Deshalb sei ein wichtiger Aspekt die Kräfte zu schulen, die als First Responder Forces als erstes am Einsatzort sind. Allen voran die Kontroll- und Streifenwagenbesatzungen, die an wichtigen Knotenpunkten ihren Dienst versehen. Dazu gehört laut Lindner inzwischen auch die taktische Medizin. Auswertungen der Terroranschläge der vergangenen Jahre hätten ergeben, dass die meisten Opfer an schweren Verblutungen verstorben seien. Auch, weil die polizeilichen Einsatzkräfte nicht ausgebildet und entsprechend ausgerüstet seien, um die Opfer zu versorgen. Rettungsdienste zu den sogenannten Roten Zonen aber keinen Zutritt haben.

Als Dank und Anerkennung für die Arbeit der Spezialkräfte, überreichte Behörden Spiegel Chefredakteur und Herausgeber R. Uwe Proll den Podiumsteilnehmern einen Ehrenpreis.