Predicitive Policing: Vorausschauend Arbeiten

Predicitive Policing-Prognosen machen sich das Near Repeat-Phänomen zunutze: In geografischen Räumen, in denen ein Delikt verübt wurde, muss häufig mit Folgedelikten in kurzem zeitlichen Abstand gerechnet werden. (Foto: IfmPt)

Predictive Policing hat sich vom Trendbegriff zum konkret angewandten Konzept entwickelt. Systeme zur Prognose von Deliktwahrscheinlichkeiten in bestimmten Regionen sind bei vielen Polizeien im Wirkbetrieb oder werden in Projekten evaluiert. Bisherige Erfahrungen zeigen: Gute Prognosen sind möglich. Entscheidend ist es, Prozesse so zu gestalten, dass Ergebnisse zielführend eingesetzt werden können.

„Wir machen die Erfahrung, das vorhandene Daten häufig nicht so aufbereitet vorliegen, dass erfahrene Mitarbeiter sie auch in kreativer Weise bei ihrer Arbeit nutzen können“, erläuterte Dominik Kumer von der Disy Informationssysteme GmbH. Es brauche Technologien, mit denen Daten zu 100 Prozent erschlossen, systemübergreifend verknüpft und visualisiert werden können.

Systeme, die das leisten sollen, sind bereits bei deutschen Polizeien im Einsatz. Das seit 2015 betriebene System zur Kriminalitätsanalyse und Lageantizipation (SKALA) des Landeskriminalamts (LKA) Nordrhein-Westfalen soll den Beamten selbst keine eindeutigen Vorgaben machen. Prognosen, in welchem Gebiet mit hoher Wahrscheinlichkeit zum Beispiel ein Wohnungseinbruch stattfinden wird, lösen auf keinen Fall automatisiert einen Einsatz aus. Ziel sei es, die Polizei durch Anregungen zu unterstützen, ein „Bauchgefühl mit Zahlen zu untermauern“, wie Dr. Günter Schöbel des Dienstleisters SVA es umschreibt. „Das Schöne an dem System ist, dass die Polizei Herr des Verfahrens ist“, so Schöbel weiter. Alle Daten, auf deren Grundlage Prognosen über gesamte Stadtgebiete gemacht werden, blieben im Haus. Rechenmodelle für Prognosen liefere das LKA selbst.

Diesen Ansatz hielt auch Dr. Thomas Schweer vom Institut für musterbasierte Prognosetechnik (IfmPt) für den richtigen. Seit 2001 arbeitet er am System Precobs (Pre Crime Observation System), das von Polizeien in Süddeutschland und in der Schweiz eingesetzt wird. „Polizisten wollen wissen, wie das System funktioniert. Sonst erreicht man auch nicht die nötige Akzeptanz“, unterstrich er.

Ganz auf Anwenderfreundlichkeit setzt Niedersachsen beim Projekt PreMAP. Eine App mit Kriminalitätsradar soll integriert und möglichst mobil bereitgestellt werden, wie Werner Drögemüller, Abteilungsleiter Informations- und Kommunikationstechnologie in der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen betonte. Die Prognoseanwendung ist mit dem Vorgangsbearbeitungssystem NIVADIS des Landes verknüpft und soll mittelfristig allen Polizisten im Streifendienst auf mobilen Endgeräten zur Verfügung gestellt werden.