Intelligente Videoüberwachung

“Für mich ist verwunderlich, dass Dinge sofort zum Problem werden, sobald Videokameras im Spiel sind”, entgegnete Ernst G. Walter, Bundvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). (Foto: BS/Dombrowsky)

Dank moderner Analysealgorithmen können heute bereits Gegenstände, Gesichter und sogar Verhaltensweisen in Videos automatisiert erkannt werden. Daraus ergeben sich große Chancen für polizeiliche Fahndung und Gefahrenabwehr. Erste Ergebnisse eines Tests am Berliner Südkreuz geben Anhaltspunkte, wie Anspruch und Wirklichkeit zusammenzubringen sind. Unklar ist derzeit die rechtliche Umsetzbarkeit.

“Wir können jederzeit eine Trefferquote von über 70 Prozent sicherstellen”, fasst Franz-Xaver Vogl, Referatsleiter Bahnpolizeiliche Aufgaben im Bundespolizeipräsidium zusammen. Zeitweise würden auch Spitzen mit neunzigprozentiger Sicherheit erreicht. Die Rede ist vom Teilprojekt “Biometrische Gesichtserkennung”, das die Bundespolizei in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn am Bahnhof Südkreuz in Berlin durchführt. Ziel ist es zu erproben, in wie weit sich aktuelle Technologien zu kriminalpräventiven bzw. -repressiven Zwecken einsetzen lassen. Die Fehlerrate liege bei unter einem Prozent, so Vogl. Unter Experten gelte dies als akzeptabler Wert.

Allerdings folge auf jeden Falschalarm in der praktischen Anwendung eine unnötige und für den Betroffenen sehr unangenehme Identitätskontrolle, wie Daniel Holzapfel, Abteilungsleiter Recht beim Berliner Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit, hervorhob. Im Fachforum zum Thema Intelligente Videoüberwachung auf dem Europäischen Polizeikongress räumte Holzapfel ein, dass besonders bei der Gesichtserkennung große Fortschritte gemacht worden seien. Er forderte aber ein, nicht immer nur auf das technisch Machbare zu achten, sondern konkrete Wirkungen zu beurteilen. Holzapfel gab zu bedenken, dass bei biometrischer Gesichtserkennung besonders sensible personenbezogene Daten im Spiel seien, für deren. “Derzeit gibt es nach meiner Einschätzung keine Rechtsgrundlage für einen Regelbetrieb mit biometrischer Gesichtserkennung.”

“Für mich ist verwunderlich, dass Dinge sofort zum Problem werden, sobald Videokameras im Spiel sind”, entgegnete Ernst G. Walter, Bundvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). Bei der Fahndung werde schon immer überprüft und überwacht. “Warum sollte man die polizeiliche Arbeit nicht mit technischer Unterstützung effizienter machen?” Eine Vorauswahl mittels intelligenter Videoanalyse könnte Mitarbeiter entlasten. Es gehe nicht um flächendeckende Überwachung, sondern darum, durch bessere Fahndung vor die Lage zu kommen.